Nämlich alles Nötige zu Arbeit & Reichtum im Kapitalismus
Diskussionsveranstaltung am 4.6. in Freiburg
Linke Parteien zählen den Theoretiker des 19. Jahrhunderts, dessen Gedanken einmal die Welt bewegt haben, zu ihrem Traditionsbestand, seine Schriften aber kennen sie nicht mehr. Marx ist heute ein toter Hund. Um so mehr als man ihn an Universitäten, sofern man sich seiner erinnert, höflich ins geistesgeschichtliche deutsche Erbe eingemeindet – und zwar als einen Großen: Ein großer Philosoph soll er gewesen sein, dem es nach Hegel noch einmal gelungen sei, dialektisch zu denken; ein großer Soziologe, der ein System gebastelt habe, in dem die Gesellschaft von der materiellen Basis bis zum Überbau der Ideen auf ein einziges Prinzip gebracht ist, ein großer Prophet, der die Globalisierung früh vorhergesehen habe, ein großer Utopist, der sich eine schöne bessere Welt ausgedacht haben soll.
Dass der Alte selbst, wenn er gefragt würde, nichts von dem genannten Großen vollbracht haben wollte, ja sich dieses Lob verbitten würde, kann seine geistesgeschichtlichen Freunde nicht bremsen.. Sie verzeihen ihm ja sogar, dass er Kommunist gewesen ist. Er selbst sah seine Leistung einzig und allein in dem, was der Untertitel seines theoretischen Hauptwerkes ankündigt: in der „Kritik der politischen Ökonomie“ des Kapitalismus. Marx war, wenn irgendetwas, Ökonom. Die Wirtschaftswissenschaften allerdings haben keine gute Erinnerung an diesen Klassiker, ja eigentlich überhaupt keine. Kein Wunder. Schließlich hat er nicht nur die menschenfeindliche und absurde Rationalität des Wirtschafsystems aufs Korn genommen, das sie so vernünftig finden, er hat auch ihre verständnisvollen Theorien darüber zerlegt. (mehr…)
Die Nachfrage nach Agrarprodukten steigt, das Angebot an Rohstoffen für die Lebensmittelproduktion sinkt – und hunderte millionen Erdenbürger leiden Hungers. Und das zusätzlich zu den ganz normalen Elendsgestalten, die diese Welt sowieso schon bevölkern. Während die bürgerliche Öffentlichkeit darüber rätselt, welche Bedingungen denn nun für die Preissteigerungen verantwortlich sein könnten, möchte das Referat für Ideologiekritik darauf hinweisen, dass anscheinend der Fakt, dass selbst die essentiellsten Lebensmittel einen Preis haben, der ihren Verkäufern einen Profit erwirtschaften soll, Hunger und Elend produziert. Das ist der Preis der Marktwirtschaft.