Vortrag: Konsum im Kapitalismus

Im Alltag der modernen Gesellschaft hat man sich an Perversionen gewöhnt, die eigentlich leicht zu durchschauen wären. Niemand findet etwas dabei, wenn Experten sich um den Zustand der deutschen Wirtschaft sorgen, weil „trotz guter Exportkonjunktur der private Konsum einfach nicht anspringt“. Man bekommt in solchen Statements nicht nur mitgeteilt, dass die Erfolge unserer Wirtschaft nichts damit zu tun haben müssen, dass die Menschen besser leben. In der geäußerten Sorge, der schöne Konjunkturaufschwung könnte schon bald wieder abflauen, wenn der Konsum nicht endlich anspringt, wird man auch noch darüber aufgeklärt, dass in dieser Wirtschaft der Konsum für die Wirtschaft da ist und nicht die Wirtschaft für den Konsum. Das Verhältnis von Zweck und Mittel, wie es sich vernünftigerweise gehört, steht auf dem Kopf.

softdrinkAus Fürsorge für die Dauerhaftigkeit des kapitalistischen Wachstums haben sich Anfang des Jahres Politiker sogar dazu verstiegen, „Mut zu höheren Löhnen“ anzuraten. Denn „Höhere Löhne sind jetzt gut für die Binnennachfrage und stärken die Konjunktur“. Das Einkommen der breiten Masse, die die Arbeit macht, darf tatsächlich steigen, wenn, aber auch nur wenn das dem Gewinnwachstum nützt. Man stelle sich vor! Inzwischen ist Herbst und den Politikern sind die Lohnforderungen längst wieder viel zu hoch. Mindestlöhne für Billigjobber und 2.500 € im Monat für Lokführer würden die Konjunktur kaputt machen; solche Maßlosigkeit kann sich Deutschland nicht leisten. Der Arbeitslohn ist halt doch zuerst Kostenfaktor, der den Profit belastet, ehe er Kaufkraft ist, die jedes kapitalistische Unternehmen gerne ausnutzt.

Von wegen also, wir lebten in einer „Konsumgesellschaft“. Wenn es so wäre, müsste nicht um jeden Euro Lohn gekämpft werden.

Manche Leute meinen die Diagnose „Konsumgesellschaft“ aber sogar kritisch, finden, dass es den Menschen materiell viel zu gut geht und dass die Befriedigung ihrer Bedürfnisse sie an ein System kettet, das wir gar nicht so unvernünftig finden würden, wenn es denn leisten würde, was ihm da als ein Übel nachgesagt wird.

Der Referent wird in seinem Vortrag eine Kritik der Konsumkritik anbieten, sowie Aufklärung über die perverse Rolle, die der Konsum in einer Wirtschaft tatsächlich spielt, in der es um das Wachstum des Kapitals geht.

Vortrag und Diskussion
im jos fritz café, Wilhelmstraße 15/1
am Mittwoch, 5. Dezember 2007, 20 Uhr
Referent: Dr. Decker, Mitautor des Buches „Das Proletariat