Archiv für Januar 2007

Antwort 1: Bemerkung zur Menschennatur

Es passiert einem öfters mal, dass man sich – ganz unschuldig – ein wirklich fragwürdiges Phänomen erklären will. Dann grübelt man rum, macht sich so seine Gedanken und gibt sein bestes, die Notwendigkeiten der Sache möglichst genau zu bestimmen. So haben wir uns beispielsweise Gedanken zum Emsdettener Amoklauf gemacht und ausgehend vom Selbstbild des Täters als Verlierer, der mit dieser Tat sein angeknackstes Selbstbewusstsein wieder gerade rücken wollte, in drei Schritten darzustellen versucht, wie der Amokläufer zu diesem Schluss gekommen ist. Dabei sind wir darauf gestoßen, dass in der Schule tatsächlich Sieger und Verlierer hergestellt werden. Nicht nur das, ihre Sortierung in Sieger und Verlierer sollen die Schüler auch noch als ihre ihnen selbst innewohnenden Eigenschaften begreifen. Die Schüler übernehmen dieses Urteil in den meisten Fällen und lernen daraus sowohl, dass es darauf ankommt andere, und nicht sich zum Verlierer zu machen, als auch, dass es furchtbar wichtig ist, sich und anderen zu beweisen, dass man ein Sieger-, und nicht etwa ein Verlierertyp ist. Amokläufe wie Erfurt oder Emsdetten sind eine Möglichkeit von vielen, sich als Siegertyp zu fühlen. Der einzige Grund, warum diese Art mediales Aufsehen erregt, ist ihre staatliche Ächtung per Gesetz.

Auf diese Analyse hat jemand folgenden Kommentar geschrieben:

Die Leute wurden so erschaffen andere Menschen zu mißachten, zu verachten, häufig um ihre Sebsteinschätzung zu erhöhen. Die Menschenswelt unterscheidet sich nicht so stark von der Tierwelt. Aber Tiere töten andere für Essen, Leute tun das manchmal aus Spaß.

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Feindbild Islam

Die dritte Veranstaltung in der Reihe „Deutschland und der Anti-Terror-Krieg“ findet am Mittwoch, den 31. Januar 2007, 20 Uhr ct im jos fritz café in der Wilhelmstraße 15/1 statt.

Muslime, die als Gastarbeiter, Studenten oder sonst wie auf deutschem Boden leben, sind ins Visier der Zielfahnder geraten. Ihr Glaube an Allah und die Verehrung seines Propheten macht sie nach dem Urteil deutscher Staatsschützer anfällig für antiwestliche Einstellungen. Ja, mehr noch: Gerade die familiäre und religiöse Privatsphäre von Muslimen, auf deren Freiheit sich die Demokratie sonst in Absetzung von „Diktaturen“ so viel zugute hält, steht bei herrschenden Demokraten und deren Ausländerfeindlichem Fußvolk in Verdacht, Brutstätte einer Gesinnung zu sein, die in letzter Konsequenz zum islamischen Terrorismus führen soll. (mehr…)

Zur Kritik der Soziologie: Das „abgehängte Prekariat“ & die „Unterschicht“

Vortrag am 24.01.2007 in der freiburger Universität.


Die Politik besichtigt die Ergebnisse ihrer Verarmungsstrategie, die Sozialforschung liefert ihr dazu die Daten: Es gibt kein Proletariat und keine Klassen, sondern eine Ansammlung von lauter zufälligen Notlagen.

Die arbeitende Klasse heißt hierzulande nicht so. Schon gar nicht „Proletariat“. Trotzdem weiß jeder, wen es betrifft, wenn Politik und Wirtschaft mit Lohnsenkungen, Niedriglohnmodellen und Hartz-Gesetzen das Wachstum voranbringen. Diejenigen, die allen Grund hätten, laut zu werden, fügen sich still in ihr Los. Die Elite aus Politik und Wirtschaft, Medien und Wissenschaft dagegen liefert sich eine lautstarke Debatte über die neu entdeckte „Unterschicht“ oder das „Prekariat“. Ihr Inhalt: Arme Leute haben kein Problem, sie sind eines. Für den Staat, weil sie bloß kosten; für „die Wirtschaft“, weil die Stütze, die sie kriegen, aus den Lohnnebenkosten bezahlt wird und daher die Lohnkosten belastet; für die staatstragenden Parteien, weil sie entweder gar nicht wählen gehen oder ihr Kreuzchen bei den Radikalen auf der rechten oder linken Seite des Parteienspektrums
machen. (mehr…)

Meta

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