Ungewollte Lektionen Nr. 1: Ölverstaatlichung in Bolivien

Enteignung bolivianischen OelsDank dem Außenminister der BRD, Frank-Walter Steinmeier, erhielt der interessierte Beobachter heuer eine wichtige Lektion im Fach Imperialismus. Zu der von Bolivien im Sommer diesen Jahres durchgeführten Aktion, den Verkauf ihres Öls fürderhin so zu reglementieren, dass für den Staatshaushalt etwas mehr bei rausspringt, erklärte

Außenminister Frank-Walter Steinmeier, […] Lateinamerika müsse wieder stärker ins Blickfeld der europäischen Wirtschaftsinteressen rücken. Auch wegen des gewachsenen Interesses Asiens und vor allem Chinas an Rohstofflieferanten-Ländern sei es wichtig, dass sich Europa um diese Staaten kümmere.Spiegel Online am 02.05.2006 (Nicht mehr gratis erreichbar)

Einen interessanten Blickwinkel auf die Welt, die der Herr aus Berlin – vermutlich berufsbedingt – da offenbart: Weil andere das Öl wollen ist es um so wichtiger, dass wir uns um es kümmern. Erklärten Lehrer, Professoren oder Sonntagsbeilagenredakteure einem noch, dass jede Nation im Einklang und Kooperation mit anderen ihren Weg in der Welt suchte und Kriege nicht etwa von einem prinzipiellen Gegensatz der Staaten sondern von einem Machtmissbrauch und einem Scheitern der alltäglichen Politik herrührten, sprechen die wirklichen Machthaber unverblümt aus, wie der Hase läuft: wo andere Staaten ein Interesse anmelden, ist die eigene Nation nicht nur milde interessiert, sondern sieht sich sogar unmittelbar betroffen. Wenn die Kontrolle über den Zugang zu Ressourcen, den man anderen Mächten zu- oder absprechen will, eine solche Attraktivität darstellt, scheint das Verhältnis zu Staaten wie China eher weniger aus gegenseitigem Ergänzungen zu bestehen, als auf handfesten Gegensätzen zu beruhen.

Wer dieses gegensätzliche Verhältnis der modernen Staaten gerne näher untersuchen würde, hat in Freiburg momentan die Gelegenheit dazu. Das Referat Ideologiekritik veranstaltet nämlich einen Jour-Fixe zu diesem Thema .


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