Integration – Die neueste Sorte Ausländerfeindlichkeit

Auf Radio Dreyeckland wird am 18. September um 20:00h eine Sendung von Radio X Frankfurt gespielt, in der die Forderung nach mehr Integration analysiert wird. Die Sendung steht auch bereits jetzt hier zum herunterladen bereit.

Gegenüber dem agressiven „Ausländer raus“ gilt die an die Nichtdeutschen gerichtete Forderung, sie sollten sich in die deutsche Gesellschaft besser integrieren, als menschenfreundliche Einladung. Dabei zeugt auch dieser Anspruch von einer ausländerfeindlichen Einstellung.

  1. An Ausländer, vorzugsweise jene, die im Verdacht stehen, die deutsche Nation mehr zu kosten als zu nützen, ist der Anspruch der Integration momentan ziemlich durchgesetzt. Wie sollen sie das eigentlich machen? In ihrer Praxis funktionieren Ausländer doch bereits genau so wie vom Staat zu Inländern gemachte Bürger: Sie zahlen Steuern, richten sich so gut es geht für ihre Ausnutzung durch ein Unternehmen her, wählen ihre Herrschaft und werden arbeitlos.
  2. Der Vorwurf, Ausländer würden Parallelgesellschaften bilden, inmitten von Deutschland ihre fremde Sprache sprechen, nur bei Ihresgleichen einkaufen und in abgeschotteten Gotteshäusern zu ausländischen Göttern beten, zeigt: Von den Ausländern wird nicht nur die Unterwerfung unter Staat und Kapital verlangt – das wird als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt. Es geht um die kulturelle und moralische Anpassung an die deutsche Gesellschaft, an eine Angleichung in jener Sphäre, bei dessen Erwähnung sich die BRD immer stolz auf die Brust geklopft hat, weil sie hier angeblich Individuum Individuum hat sein lassen: Im Reich des Privaten. Wieso das?
  3. Die Integrationsforderer sind keine Kritiker von Döner-Läden und türkischen Friseuren. In ihren Augen zeigt aber ein Alltag jenseits der Mehrheitsgesellschaft, dass diese Leute nicht dazugehören wollen. An sie wird der Anspruch geltend gemacht, sich uneingeschränkt positiv zu Deutschland zu stellen. Diese affirmative Stellung sollen sie aber nicht als gut bedachte und begründete Einsicht in die Güte Deutschlands vortragen, sondern als gelebtes Bekenntnis in ihrem Alltag praktizieren. Schon fraglich, ob eine Sache, für die man auf diese hirnlose Weise Partei ergreifen soll, diese Parteiname überhaupt verdient.
  4. Der Grund, warum man ihnen den Beweis, sich zu Deutschland zu bekennen, überhaupt abverlangt, liegt freilich gar nicht im Verhalten der Ausländer, auch nicht im kulturellen oder moralischem. Der Verdacht, sie fühlten sich hierzulande nicht heimisch und seien der hiesigen Herrschaft gegenüber illoyal, kommt nur auf, weil es sich um Ausländer handelt. Deswegen kann das geforderte Bekenntnis auch niemals genügen, die Demonstration der Zugehörigkeit niemals ausreichen.

Von der neuen Art von Ausländerfeindlichkeit namens Integration handelt die Sendung, die am 18.09. auf Radio Dreyeckland ausgestrahlt wird oder im Internet zum download zur Verfügung steht (direkter Download der Sendung „Integration“ hier).


2 Antworten auf “Integration – Die neueste Sorte Ausländerfeindlichkeit”

  1. 1 Journal für Republikanismus 13. September 2006 um 19:00 Uhr

    Genau das ist es aber: Die Immigranten müssen zu Deutschen werden. Das ist Integration! Nur so werden sie sozial wie politisch durch die heimischen Bürger anerkannt – mal abgesehen von den, zum Glück nur noch in Spuren vorkommenden, Rassisten.

  2. 2 ideologiekritik 15. September 2006 um 8:35 Uhr

    Das mag schon sein: den deutschen Bürgern ist jedes offensichtliche undeutsche Verhalten und Aussehen erstmal suspekt. Es ist allerdings schon die Frage, wieso eigentlich und ob dieser Standpunkt nicht ein riesengroßer Fehler ist.

    1. Was spricht denn eigentlich für den Standpunkt, alles von der Warte aus zu betrachten, ob jemand deutsch oder undeutsch ist? Als Maurer oder Manager, als Omi oder Osteopat kann einem das doch erstmal scheißegal sein, ob einer von der einen oder anderen Sorte ist. Warum meint denn Ihr, dass dieser Gesichtspunkt so furchtbar prickelnd sei? Einen vernünftigen Grund dafür sehe ich nicht.

    2. Was soll denn bitteschön deutsches und undeutsches Verhalten sein? Ihr meint, die beste Lösung für die Anfeindung der Ausländer sei, dass sie deutsch werden: „Indem sie etwa ihr Türkischsein ablegen und sich mit Deutschland, d.h. seiner Geschichte, (Sprach-)Kultur und seinen Werten, beschäftigen und es verinnerlichen.“

    Ihr gebt uns also recht, wenn wir behaupten, „Integration“ ist die Forderung, Bedingungslos für Deutschland Partei zu ergreifen, indem man sich als Zugehörig begreift – „Deutschland verinnerlichen“ sagt Ihr dazu. Denn das ist allemal unterstellt und der Witz der Zugehörigkeit: Parteilich für die eigene Nation durch die Welt zu laufen und alles danach zu betrachten, ob es ein Beitrag oder eine Schädigung des guten Ganzen ist, dem man angehört.

    3. Was ist das für eine stupide Art der Parteinahme und Zugehörigkeit! Normalerweise geht’s doch andersherum, ein Liberaler sagt: „Du, der Liberalismus, der bietet Dir 1,2, ganz viele Vorteile. Sei doch auch dafür und engagiere Dich für den Liberalismus.“ Wenn man das mitmacht, gehört man eben zu denen, die für eine liberalere Welt arbeiten. Und als Konsequenz darf man sich auch noch (wobei ich auch das schon nen Fehler finde) als Liberaler fühlen.

    Hier ists genau umgekehrt, man sagt: Fühl Dich als ein Teil von Deutschland, sei dafür – ohne irgendwelche Gründe, was Deutschland denn einem gutes tue. Einfach, weil „man nun mal in Deutschland lebt“ soll man sich als als einer von denen betrachten und dementsprechend für seinesgleichen – und vor allem für seinen Stall, seinen Staat – Partei ergreifen. Meiner Ansicht nach äußerst fragwürdiger, ob man das tun sollte.

    4. Im Übrigen: Da laufen Leute in der Gegen rum, denen sagt Ihr nicht, sie sollten sich mit der deutschen „Geschichte, (Sprach-)Kultur und seinen Werten, beschäftigen und es verinnerlichen“. Denen unterstellt Ihr ein Bewusstsein der Zugehörigkeit und damit Parteilichkeit für ihresgleichen einfach so. Wieso denn das? Denen scheint Ihr Deutschsein, ihre Zugehörigkeit in die Wiege gelegt, mit der Muttermilch aufgesogen oder spätestens in der Kindheit ansozialisiert worden sein.

    Also unterstellt auch Ihr, dass es eine zwangsläufige Zugehörigkeit zu der einen oder anderen Nation gibt -auch wenn Ihr meint, man könne dann die Grenzen überwinden und mit einiger Anstrengung die alte Haut ablegen und Deutscher werden. Genau wegen dieser Vorstellung der prinzipiellen Trennung von Deutsch-Nichtdeutsch ist letzteres eine Minderheitenmeinung. Denn wenn man „nun mal“ so oder so einer ist, dann ist es auch sehr konsequent, einen versuchten Übergang ins andere Kollektiv als unmöglich anzusehen.

    5. Der Grund für die Ausländerfeindlichkeit: Da in den Augen der deutschen Bürger die Ausländer nicht „automatisch“ hierhergehören, wird denen ein sehr instrumenteller Umgang mit der deutschen Nation zugesprochen. Sie fühlen sich eben nicht bedingungslos zugehörig, wie man es von jedem „echten“ deutschen erwartet (die Kriterien für dieses „echt“ sind in einem gewissen Rahmen zufällig. Das harte Kriterium steht unter 6.) und stehen deswegen in dem Verdacht, die „deutsche Gemeinschaft“ (worunter sowohl die Wirtschaft, als auch Staat fällt) bloß auszunützen.

    6. Ob jemand Deutscher ist oder nicht, wird eh nicht anhand von „Geschichte, (Sprach-)Kultur oder Werten“ entschieden. Die Staaten, die souveränen Gewalten auf dem Erdball entscheiden, welche Menschen sie als ihnen zugehörig betrachten und drücken das dann auch noch als inherente Eigenschaft ihrer Untertanen aus. Und die Bürger ziehen sich genau diesen Stiefel leider an und basteln daran anknüpfend dann weiter ihre eigenen Kriterien fürs echte Deutschtum. Wegen ihres prinzipiellen Misstrauens gegen Nichtdeutsche verlangen die einen Deutschen von den Ausländern, die hier trotzdem (obwohl Ausländer) wohnen ein gelebtes Bekenntnis der Unterordnung – indem sie sich möglichst deutsch aufführen. Inwieweit das reicht, und was deutsch eigentlich ist, ist dabei jedem Inländer selbst überlassen. Die anderen Deutschen meinen gleich, Ausländer hätten hier nichts verloren und wenn sich der Staat nicht genügend (sic!) drum kümmert, dann sehen sie sich als berechtigt an, die nötige extra-Gewalt selbst auszuüben.

    Warum es ein Fehler ist, der eigenen Nation anzuhängen, habe ich grad keine Zeit zu schreiben, nach Bedarf ließe sich aber auch darüber diskutieren. Nur soviel: Eine Instanz, die eine solch bedingungslose und stupide Parteilichkeit von seinen Angehörigen verlangt kann nicht ganz kosher sein.

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