Warum lässt Coca-Cola morden?

Coca-Cola-Boykott gegen Massenerschießungen

Studenten und Gewerkschaften auf der ganzen Welt, u.a. der u-asta, beteiligen sich an einer Boykottaktion gegen Coca-Cola-Produkte. Der Protest richtet sich vor allem gegen die Praxis des Unternehmens, seine gewerkschaftlich engagierten Angestellten in Kolumbien durch Paramilitärs und Armee unter Androhung von Gewalt zu erpressen oder auch direkt erschießen zu lassen. Dass das Unternehmen der Auftraggeber für diese Gewaltausübung ist, ist inzwischen recht gut dokumentiert.

Das ist allerdings eine fiese Sache und sollte – gerade unter wissbegierigen Studenten – die Frage aufwerfen, wieso ein Unternehmen darauf kommt, Mord und Erpressung in Auftrag zu geben. Wieso sind das die adäquaten Geschäftsmittel von Coca Cola in Kolumbien?

Coca-Cola-Protest


Killer-Coke?

Die von US-amerikanischen Studenten und kolumbianischen Gewerkschaften getragene Boykott-Kampagne stellt die Gewalt gegen Gewerkschaftsaktivisten als einen Skandal dar. Dafür fehlt dieser Behandlung aber eigentlich der Charakter einer Ausnahme. „In den letzten 18 Jahren wurden 5.000 gewerkschaftlich engagierte Arbeiterinnen und Arbeiter von Paramilitärs oder Armeeangehörigen ermordet.“ (Artikel in Telepolis)

Anscheinend ist Coca-Cola also gar kein gemeiner Einzelfall, sondern ein Exemplar der regelmäßigen Schikane, die den kolumbianischen Gewerkschaftern auch bei anderen Unternehmen angetan wird. Aber wieso? Kann diese Kette von Gewalttaten Zufall sein? Oder gibt es nicht vielleicht einen notwendigen Grund für die Feindschaft, die Unternehmen sogar regelmäßig in Zusammenarbeit mit Militär und Paramilitär gegen die Gewerkschaften austragen?


Der Dienst einer kapitalistischen Cola-Firma an der Menschheit: Ausnutzung ihrer Durst und Kaufkraft

„The Coca-Cola company exists to benefit and refresh everyone who is touched by our bussines.“ (Laut firmeneigener Werbebroschüre „Die Coca-Cola Story“)

Diese Selbstdarstellung kann nicht so ganz stimmen – gäbe es Coca-Cola wirklich nur, um die durstige Menschheit mit kühlen Getränken zu versorgen, wären die firmeneigenen Getränkeautomaten nicht mit Münzschlitzen versehen. Schließlich wünscht sich so manch einer einen Softdrink, kriegt ihn aber nicht, weil das Geld nicht reicht. Wäre Coca-Cola wirklich um „Nutzen und Erfrischung“ ihrer Konsumenten besorgt, sollte das Unternehmen diese Preisschranke doch möglichst schnell aus dem Wege räumen. Coca-Cola „berührt“ die durstigen Leute eben gar nicht nach Maßgabe ihrer Bedürfnisse, sondern nach Maßgabe ihrer Zahlungsfähigkeit. Wer nicht zahlt, bleibt auf dem Trockenen sitzen.

Nicht nur das: Die Geldsumme, die man für eine Flasche Coke hinlegt, muss auch über dem Herstellungspreis der Produkte liegen. Erst dann und nur dann, wenn man einen Beitrag zur Profitsteigerung des Unternehmens liefert, kommt man in den Genuss eines Softdrinks von Coca-Cola. Angesichts dessen wäre der Schluss angebracht, dass Coca-Cola dann wohl auch einzig und allein dafür existiert, dass das vorgeschossene Kapital sich vermehrt und dass die Bedürfnisse der Konsumenten diesem Zweck untergeordnet sind. Das Verlangen nach Limonade ist also ein Mittel des Unternehmens, seinen Profit zu mehren. Dabei hat Coca-Cola diese Praxis nicht für sich gepachtet: nur unter diesen Umständen und allein zu diesem Ziel werden in der gegenwärtigen Gesellschaft nützliche Güter produziert.

Was hat dieser Unternehmenszweck nun mit kolumbianischen Arbeitern einer Abfüllanlage nämlicher Firma zu tun? Dazu muss man sich einmal genauer anschauen, was diese Arbeiter von Coca-Cola wollen.


Der Dienst einer kapitalischer Firma an der bei ihr angestellten Menschheit: Ausnutzung ihrer Armut und Arbeitskraft

Mal ganz naiv gefragt: wieso finden sich eigentlich überhaupt noch Leute, die bei Coca-Cola (oder beispielsweise Nestlé, die es in Kolumbien auch nicht anders halten) arbeiten wollen? Wieso gehen die dortigen Angestellten überhaupt zu einem Arbeitgeber hin, der vor Waffengewalt als Erpressungsmittel nicht zurückschreckt? Sollen die Firmenbesitzer ihre Flaschen doch selber abfüllen. „Tja, Coca-Cola, tut uns leid, aber mit der Waffe im Gesicht arbeiten wir nicht.“ Es fragt sich, warum die Arbeiter diese Firma nicht selbst boykottieren.

Die Frage mag zynisch erscheinen, weil jeder weiß, welche Wahl die dortigen Arbeitnehmer haben: In einer Gesellschaft, in der man eben nicht nur von gekühlter Limo, sondern von allen, auch den elementarsten, Lebensmitteln ausgeschlossen ist, wenn man das Profitinteresse der Unternehmen nicht bedient, muss man sich nach Geld umschauen. Und da die meisten Kolumbianern eben kein Geld und folglich kein Kapital haben, müssen sie jemanden finden, der das hat und bereit ist, sie für seine Bereicherung anzustellen und ihnen dafür einen Lohn zu zahlen. Ihre Arbeitskraft ist also das letzte Mittel, das die meisten Kolumbianer besitzen, um überhaupt an das Geld zu kommen, mit dem sie ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen.

Diese Not der kolumbianischen Lohnabhängigen trifft auf Coca-Colas Lebenszweck, das Bedürfnis nach Erfrischung für die Vermehrung von Geld auszunutzen. Das Unternehmen benötigt dafür nämlich Produzenten, die das Getränk herstellen und – z.B. in Kolumbien – in Flaschen abfüllen, das dann später gewinnbringend verkauft werden soll. Die Firma kauft also genau das, was die anderen anzubieten haben: Arbeitskraft. Der Lohn, der dafür weggegeben wird, ist für die Angestellten zwar das einzige Lebensmittel, für Coca-Cola aber eine Schranke des Unternehmsziels. Als Kostenfaktor bedeutet er nämlich eine Schmälerung der zu erwartenden Gewinns. Für die Limonadenabfüller soll der Lohn also möglichst hoch, für Coca-Cola kann er gar nicht niedrig genug sein.


Die überlebensnotwendige Gegenwehr der Lohnabhängigen…

Wegen der Freiheit der Unternehmer, sich aus einer Vielzahl von derart existentiell vom Lohn abhängigen Leuten die billigsten und willigsten herauszusuchen, haben die Beschäftigten von Coca-Cola allerdings im Regelfall keine andere Wahl, als für einen Lohn und unter Arbeitsbedingungen zu arbeiten, die noch nicht einmal das eigene Überleben so recht sicherstellen. Daher sind die kolumbianischen Angestellten von Coca-Cola – wie alle anderen Lohnarbeiter auch – gezwungen, sich nach der harten Arbeit auch noch zusammenzutun, um dafür zu kämpfen, dass sie von ihrem Lohn überhaupt noch leben können, dass sie von der Arbeit nicht vollständig fertiggemacht werden, dass sie überhaupt noch nach Hause gehen dürfen etc. Sie gründen also Gewerkschaften.

In Folge dieses gewerkschaftlichen Kampfes bleibt den organisierten Flaschenabfüllern nichts anderes übrig, als das Unternehmen zu schädigen, das sie bezahlt. Einmal, indem sie überhaupt Rücksicht auf ihre Interessen erkämpfen, was dem Gewinn des Unternehmens abträglich ist, und dann noch einmal, indem sie das Unternehmen durch Schädigungen zwingen, diese Rücksichten zu nehmen. Wenn die kolumbianischen Coca-Cola-Angestellten sich organisieren, um gleich zweifach den Lebenszweck ihres Arbeitgebers anzugreifen, reagiert der Konzern dementsprechend feindselig. Das ist nicht nur in Kolumbien so. Auch in Deutschland hat es mit der blutigen Auseinandersetzung erst ein Ende, seitdem der Staat die Gewerkschaften schützt und ihnen ihre Kampfmittel gewährt, ihre Macht also im wesentlichen auf ein für den Staat nützliches Maß beschränkt. Dass der Gegensatz dadurch nicht aus der Welt ist, sieht man daran, was auch heutzutage nötig ist, um als ein Kollektiv von Lohnabhängigen Ansprüche geltend zu machen.


…und die Gegengewalt ihrer Ausbeuter

Warum engagiert Coca-Cola jetzt Paramilitärs, die Gewerkschafter bedrohen und im Zweifelsfall sogar töten? Die Antwort ist so schlicht wie brutal: Wenn in dieser Gesellschaft so gewirtschaftet wird, dass die Bedürfnisse der Leute – sei es als Konsumenten, sei es als Produzenten – nur als Mittel für den Zweck der Profitmehrung vorkommen und im Falle der Arbeitnehmer dieses Ziel auch noch behindern, dann ist konsequenterweise Gewalt gar keine bedauerliche Entgleisung, sondern ein diesem Ziel angemessenes Instrument. Indirekt macht Coca-Cola, wie in der Marktwirtschaft üblich, doch bereits nichts anderes, als die Not seiner Angestellten auszunutzen und diese vor die Wahl zu stellen: entweder ihr mehrt meinen Profit, oder ihr verhungert. Wieso sollte die Firma dann ausgerechnet vor einer Erpressung mittels direkter Gewaltandrohung zurückschrecken?

Die elende Behandlung der Arbeiternehmer nicht nur von Coca-Cola und nicht nur in Kolumbien genauso wie die sehr beschränkte Ausstattung der Weltbevölkerung mit Softdrinks (von solchen Grundbedürfnissen wie sauberem Trinkwasser ganz zu schweigen) liegt also in dem Zweck begründet, weswegen es Unternehmen wie Coca-Cola überhaupt gibt. Wer sich daran stört, dem bleibt keine andere Wahl, als Gegner einer Produktionsweise zu werden, die alle Interessen diesem Ziel der Profitmaximierung unterordnet.

Referat Ideologiekritik


10 Antworten auf “Warum lässt Coca-Cola morden?”

  1. 1 The_Red_Sparrow 13. August 2006 um 11:44 Uhr

    Auch in Deutschland hat es mit der blutigen Auseinandersetzung erst ein Ende, seitdem der Staat die Gewerkschaften schützt und ihnen ihre Kampfmittel gewährt, ihre Macht also im wesentlichen auf ein für den Staat nützliches Maß beschränkt. Dass der Gegensatz dadurch nicht aus der Welt ist, sieht man daran, was auch heutzutage nötig ist, um als ein Kollektiv von Lohnabhängigen Ansprüche geltend zu machen.

    Vielleicht könnt ihr das noch etwas ausformulieren, also was das für den Staat nützliche Maß ist. Ich denke, das wäre gut, denn die Kritiker von Coke haben ja in der Regel als Ideal einen Staat vor Augen, der eine Verrechtlichung des Klassengegensatzes betreibt, um die Arbeiter als Klasse (!) zu erhalten. Huch, naja, jetzt hab‘ ich’s schon verraten! ;-)

  2. 2 Nicht hier ... 21. August 2006 um 20:19 Uhr

    Ich bin gegen den Kapitalismus als ganzes … darf ich nun gegen Coca Cola sein, damit man vielleicht ein Beispiel hat für die Zuspitzung der Verhältnisse? Du hast deine sehr abstrakte Kritik gut verpackt. Mir liegt das Konkrete, die Synthese der Analyse und Kritik näher. Coca Cola ist everywhere und insbesondere in den Köpfen junger Menschen präsent und stellt einen guten Anknüpfungspunkt für tiefere Kritik dar, aus der meiner Meinung nach ebenfalls eine Perspektive entstehen muss …

    Außerdem stellt die Verharmlosung der Gewaltakte für mich einen Vergleich dar, welcher ein Kennzeichen fundamentalistischer Argumentationsweise ist.

  3. 3 Richard 23. August 2006 um 13:40 Uhr

    @nicht hier…

    1.Wenn Du als Beispiel für die Zuspitzung der Verhältnisse meinst: „Ja, auch so etwas ist im Kapitalismus notwendig, dass jede Gegenwehr, zu der man gezwungen wird, auch noch brutalstmöglichst plattgemacht wird“, dann kann ich dadrin keinen Fehler entdecken. Bloß:

    2.Dem ist doch erstens vorausgesetzt, dass Du bereits die Verhältnisse selbst erklärt und kritisiert hast. Ansonsten versteht Dein Gegenüber das nicht als Zuspitzung, sondern als Entgleisung, womit „die Verhältnisse“ fein raus wären.

    3.Wenn Dir der im Artikel dargestellte Grund für das rabiate Vorgehen Coca-Colas einleuchtet, ist es außerdem ein Widerspruch, auf der Gegnerschaft zu ausgerechnet diesem Unternehmen zu bestehen. Wenn der Grund für das gewalttätige Vorgehen in der kapitalistischen Verfasstheit dieser Firma besteht und man gegen diese Gewalt ist, ist’s doch schlüssig, Gegner dieser Produktionsweise zu werden.

    4.Unsere Analyse beinhaltet doch Kritik: Sie setzt die Gegnerschaft zu dem, was Coca-Cola in Kolumbien macht, voraus und soll nachweisen, woran das liegt. Und im Ergebnis kommt raus, worin diese besondere Schädigung der kolumbianischen Coca-Cola-Gewerkschafter seine Notwendigkeit hat. Das war auf jeden Fall das Vorhaben, wenn was falsch ist, musst Du schon sagen, was. (Wir wären auf jeden Fall sehr dankbar)

    5.Wenn die Analyse aber richtig ist, dann ist das eben die Erklärung für diesen Sachverhalt. Dann geht sie auch nicht abstrakter oder konkreter (wobei ich mir darunter ehrlich gesagt auch gar nichts vorstellen kann – vielleicht kannst Du mir da auf die Sprünge helfen. Meinst Du, man sollte den selben Inhalt anders darstellen? Wie gesagt: Eine Gegnerschaft zu ausgerechnet dieser Firma widerspricht der Analyse, ist also ein anderer Inhalt – falls das gemeint war.).

    6.Eine erste Perspektive steht im letzten Satz des Artikels.

    7.Welche Verharmlosung meinst Du genau? Beziehst Du Dich auf Stellungnahmen von Coca-Cola, der kolumbianischen Regierung oder auf obigen Artikel?

    p.s. @red_sparrow: Ich überlege noch. Vor allem, ob und wie sich das möglichst kurz und trotzdem schlüssig begründen ließe. Hättest Du einen Vorschlag?

  4. 4 Realistisch? 12. März 2007 um 19:32 Uhr

    Linke Kapitalismuskritik = gedankenfreie Zone?
    Wie kann man nur so verbohrt und engstirnig argumentieren? Denkt Ihr ernstahft, dass der zitierte Werbespruch von der Erfrischung seiner Kunden eine Firmenphilosophie darstellt? Natürlich geht es einem börsennotierten Unternehmen um die eigene Gewinnmaximierung, dass ist bei verantwortlichem Umgang mit den Resourcen (dazu zählt in diesem Fall auch der Mensch/Mitarbeiter/Manager) aber nicht per se verwerflich.
    Kritisch wird es dann wenn das Unternehmen in seinem Gewinnstreben eine jegliche soziale Sensibilität vermissen lässt. „Schuld“ daran ist aber jeder Einzelne und sein Kaufverhalten, hier tritt dann aber plötzlich die eigene „Gewinnmaximierung“ und „Verlustminimierung“ in den Vordergrund (zu deutsch: Geiz-istgeil-Mentalität). Der zweite Grund ist ein Verfall der moralischen Werte in der globalisierten Wirtschaft und hier tragen dann auch die Unternehmen die Verantwortung mit ihren Mitarbeitern anständig umzugehen. Dieses System hat sich aber noch nicht eingespielt und es herrscht zum Teil eine Wild-West-Mentalität in der jeder nimmt was er bekommen kann, hier werden noch einige Generationen ausgebeutet werden, bis vernünftige Spielregeln ausgehandelt sein werden. Aber deswegen den Kapitalismus zu verteufeln ist in meinen Augen nicht richtig, er hat sich als wandlungs- und anpassungsfähig bewiesen und wird das auch in Zukunft zeigen, wohingegen alternative Konzepte den Beweis ihrer Praktikabilität schuldig geblieben sind.

    Nehmts nicht so schwer ;)

  5. 5 Richard 15. März 2007 um 18:39 Uhr

    @realistisch

    1. Wir wissen selbst, dass wir kein Geheimnis ausplaudern, wenn wir den Werbespruch von Coca-Cola ad absurdum führen. Es war schließlich auch gar nicht unsere Absicht, eine vorgefundene Feindseligkeit gegen Profite abzurufen (welche denn auch?), sondern zu zeigen, was Profitproduktion für eine schädliche Angelegenheit ist, und das sowohl für von der Seite des Konsums als auch von der Seite der Produktion her.

    2. Sie sind lustig – konstatieren bei uns einen Mangel an Argumenten und gehen zugleich mit keinem Wort auf sie ein. Extra für einen offenen und flexiblen Geist wie Sie nochmal zusammengefasst:

    Sie sagen ja selbst: die Mitarbeiter sind auf allen Stufen das Geschäftsmittel für die Gewinne (das – und nicht nur die Gewinnmaximierung – ist der Zweck eines jeden Unternehmens, ob börsennotiert oder nicht) des Betriebs. Dementsprechend – ob sie dazu unverantwortlich sagen oder nicht – behandeln die Unternehmen ihre Mitarbeiter, zahlen ihnen möglichst wenig (da der Lohn ein Abzug vom Gewinn ist) und benutzen sie möglichst lange und intensiv.

    Dieser Instrumentalisierung der Menschheit für den Profit auf der Seite der Produktion steht eine Instrumentalisierung der Bedürfnisse gegenüber: Nur jene Bedürfnisse werden allein in dem Maße befriedigt, wie mittels der Attraktion von die Produktionskosten ausreichend überschießendem Geld Gewinne gemacht werden.

    Notwendige Folgen dieser Bestimmungen von Lohn und Warenproduktion sind nie enden wollende Armut auf Seiten der Lohnarbeiter, steigende Armut bei den Beschäftigten anstatt steigendem Reichtum als Konsequenz des technischen Fortschritts, Abwesenheit der Bedienung von Bedürfnissen weil diese sich nicht lohnt, komplette Einkommenslosigkeit bei der Mehrzahl der Erdenbewohner wg. Überflüssigkeit für die Geldproduktion, die Notwendigkeit stetigen Kampfes, damit man auch was von der Lohnarbeit hat, beschissene Gebrauchsgüter für die Massen… etc. pp.

    Nochmal: Wo machen sie da einen Fehler aus?

    3. Ohne unsere Argumente auch nur beachtet zu haben legen Sie gleich eigene, frei von Verbohrtheit und Engstirnigkeit vorgetragene, Gründe auf den Tisch, wie es zu einer „sozialen Asensibilität“ bei Unternehmen kommt: Unanständiges Handeln von Unternehmern und allzu geizige Konsumenten.

    a) Der Eigentümer eines Unternehmens und dessen Verwalter haben das Interesse, die Not der Lohnabhängigen für die Vermehrung von Geld auszunützen. Insofern ist es keine Entgleisung, sondern voll und ganz ihren Pflichten gegenüber verantwortlich, wenn sie ihre workforce DAFÜR so hart wie möglich rannehmen und möglichst wenig bezahlen. [Klar: unproduktive Schikane ist in diesem Sinne unverantwortlich und böse. Aber das war ja auch nicht unsere Kritik] Sie sagen selbst, „Gewinnmaximierung“ sei doch das selbstverständliche Sinn eines Unternehmens. Na, dann stellen Sie aber die notwendigen Maßnahmen für diesen Zweck nicht als irreguläre Entgleisungen hin.

    b) Warum gehen Unternehmen schlecht mit ihren Arbeitern um? Ihre Antwort: Weil sie sich in ihrer Ausbeutung nicht beschränken. Mal ganz davon abgesehen, dass die Abwesenheit von etwas nie der Grund für etwas anderes sein kann, offenbaren Sie mit der Erklärung, dass die Unternehmer sich schon zügeln müssen, damit es den Lohnabhängigen nicht schlecht, dass das Lohnverhältnis den Arbeitern ohne diese Selbstbeschränkung also schadet.

    c) Bewundernswert Ihre Geduld, nach 150 Jahren Kapitalismus darauf zu warten, dass sich endlich eine „System der Selbstbeschränkung der Unternehmen“ einpendelt. Wahrhaft realistisch und bar jeder Engstirnigkeit.

    d) Eine herrlich unverbohrte Sichtweise ist das Urteil, Unternehmen benähmen sich ausgerechnet wegen Notwendigkeit der meisten Konsumenten, die billigsten Produkte zu kaufen, schäbig. Jawohl: jeder Konsument versucht das Maximum an Qualität für ein Minimum an Kosten zu erheischen. Und der Job der Manager ist es, diese Nachfrage möglichst gut – also mit möglichst geringen Produktions- sprich: Lohnkosten und trotz der Konkurrenz profitablen Preisen auszunutzen. Die Nachfrage ist aber doch immer beschränkt, da können die Konsumenten mit ihrem Geld (dass sie in der Mehrheit übrigens eh ausgeben) noch so um sich schmeißen. Oder anders gesagt: Der Umgang der Unternehmen mit ihren Angestellten ändert sich doch nicht danach, wieviel Geld die Konsumenten für ihre Produkte ausgeben. Es gibt eben die Nachfrage, die es gibt und der Lohn und die Leistung der Beschäftigten ist das wichtigste Mittel der Unternehmen, um sich in der Konkurrenz durchzusetzen.

    4. Der Kapitalismus hat überlebt: Glückwunsch! Und das soll für ihn sprechen? Wir haben grad doch aufgeschrieben, wieso und inwiefern der sehr schädlich für die Mehrheit der Weltbevölkerung ist. Und da sollen wir uns drüber freuen, dass es ihn doch tatsächlich gibt?

    5. Wie hat die Marktwirtschaft denn „überlebt“? Ist doch gar nicht wahr, dass der Kapitalismus sich als super „Anpassungsfähig“ erwiesen hätte (woran denn?). Eher umgekehrt: bürgerliche Staaten bringen jede Art von Gewalt auf, um ihrem Kapitalismus zum Durchbruch zu verhelfen – egal ob gegen innerstaatliche Opposition oder gegen ausländische Staatenblöcke. „Totgerüstet“ soll der West- den Ostblock doch angeblich haben. Na, das spricht aber wieder für den Kapitalismus, dass er mehr Gewaltmittel und Tötungsinstrumente erschaffen kann als seine Feinde.

    6.

    „Nehmts nicht so schwer“

    Danke für den Tipp. Hier ist eine Adresse, an die man dafür nötige Hilfsmittel (nicht zu kleine Scheine mit nicht durchlaufenden Seriennummern) senden kann. Vielen Dank im voraus.

  6. 6 Realistisch? 19. März 2007 um 11:07 Uhr

    @ Richard

    Vielen Dank für die ausführliche Antwort, ich werde sie mir bei Gelegenheit einmal genauer ansehen und mir ihre Kritikpunkte zu Herzen nehmen.
    Allerdings muss ich auch sagen, dass es sich bei meiner Antwort um eine schnell zusammengeflickte und sehr ungenau Kritik an dieser Denkweise gehandelt hat. Sie sollte nur ein anderes Licht auf bestimmte Punkte werfen ohne selbst zur Ideologie zu werden, denn diesen Eindruck habe ich doch ab und an gehabt beim Durchlesen des Artikels und einiger Antworten. Objektivität ist eine Illusion, aber ich versuche nur die Argumentenkette zu vervollständigen.
    Werde mir mal die Zeit nehmen ausführlich zu antworten.

    Bis dann und ich bewundere die bisherige Sachlichkeit

  1. 1 MPunkt Trackback am 19. Juli 2006 um 18:09 Uhr
  2. 2 Nur Gedanken :: Coca Cola übernimmt Führung im weltweiten Kampf für sichere und gute Arbeitsplätze!? :: July :: 2006 Pingback am 23. Juli 2006 um 12:26 Uhr
  3. 3 aus in der vorrunde Trackback am 05. August 2006 um 20:52 Uhr
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